Zwischen den Jahren: Warum die besten Banken zuerst fragen und dann planen
Autor: Christian Rauscher
Lesedauer: 5 Minuten
Der Moment zwischen Jahresende und Neubeginn entscheidet über deine Wirkung 2026
Noch ein Jahresrückblick? Noch eine Zielplanung 2026-Präsentation? Die meisten Banken machen jetzt genau zwei Dinge: Zahlen hochrechnen und neue Ziele setzen. Irgendwas zwischen plus 3 und plus 5% wird schon machbar sein. Zumindest spielen die Führungskräfte dabei mit und auch der Aufsichtsrat ist glücklich. Das ist auch wichtig und gut so. Ansporn und Zielklarheit geben das Gefühl von Sicherheit. Was hingegen oftmals fehlt? 60 Minuten für einen Blick über den Tellerrand und eine ehrliche Reflexion darüber, was 2025 wirklich dir, deinem Team und deinen Kunden gebracht hat.
Oft fehlt ein ehrlicher Blick in den Spiegel
Die Planungs-Falle: Warum wir lieber planen als verstehen
Lass mich konkret werden. Letzte Woche saß ich mit einem Vorstand zusammen. Er zeigte mir seine Strategie-Roadmap für 2026. 17 strategische Ziele garniert mit 38 Initiativen. Strukturiert und detailliert. Analytisch absolut sauber. Vielleicht – für meinen Geschmack – zu viele strategischen Ziele (ihr wisst schon, Strategie bedeutet Prioritäten setzen – und davon 17 strategische Prioritäten?!, …), aber eben schlüssig aufbereitet.
Ich wollte wissen, worauf aufgebaut wurde und formulierte die Frage: “Wie war 2025 für Sie in einem Wort?” Nach einem Moment der Stille, die Suche nach der passenden Antwort: “Ich meine… erfolgreich. Denke ich. Die Zahlen sind okay.”
“Und wie viele Initiativen wurden 2025 erfolgreich abgeschlossen? Und wenn ich das Team fragen würde – wie würde deren Energielevel aktuell aussehen?”
Wieder Stille, diesmal etwas länger.
Das ist die versäumte Chance! Wir investieren Stunden, Tage und Wochen in die Planung des nächsten Jahres, aber wir nehmen uns keine 60 Minuten, um das vergangene Jahr wirklich zu verstehen. Nicht die Zahlen. Sondern die Menschen. Die Momente. Die Energie. Wie viel Energie ist im Team aktuell abrufbar? Was haben die vergangenen Monate mit dem Team gemacht? Wie offen begegnen wir einander. Klar kann man 38 Initiativen planen und dann auch zuordnen, aber wie geht es dem Unternehmen dabei?
Peter F. Drucker, Managementberater und Vordenker, hat es schon vor Jahrzehnten auf den Punkt gebracht:
Der Erfolg eines Unternehmens hängt nicht nur von seinen Strategien oder Produkten ab, sondern davon, wie Menschen miteinander arbeiten, Ideen teilen und Verantwortung übernehmen. Wahre Leistung entsteht dort, wo Zusammenarbeit auf Vertrauen trifft.
Vertrauen entsteht nicht in Strategiepapieren, noch kann es geplant werden. Es wächst in Momenten des echten Miteinander, in Momenten einer gemeinsamen Kultur. Seit 4 Jahrzehnten erinnert uns Mintzberg daran, dass es “emergente” Strategien gibt, also, dass Wachstum abseits der Planung und der Roll Out Orchestrierung in Organisationen entsteht. Emergenz bedeutet, dass Menschen Chancen erkannt und angepackt haben – ohne Planung. Diese Form des Wachstums zeigt sich ex post, also im Rückspiegel!
In unserer Arbeit mit Banken erleben wir immer wieder: wirkungsvolle Veränderungen entstehen nicht aus perfekten Plänen, sie resultieren aus Sicherheit, Freiraum und Reflexion. Sicherheit nach neuen Perspektiven zu suchen. Die einfache Frage “Ich weiß nicht, warum unsere Leute gerade so erschöpft sind”, führt möglicherweise zu neuen Erkenntnissen oder anderen Wahrnehmungen im Team. Freiraum, Dinge einfach mal probieren zu dürfen, ohne Risiko die Karriere zu zerstören oder sein Gesicht zu verlieren und eben der Reflexion “Was ist gelaufen und was lerne ich daraus?”
Die Reflexion: Was zwischen den Jahren zählt
1.Der ehrliche Rückblick auf das Kundenjahr
Was war dein Kundenmoment des Jahres – die Situation, wo du oder dein Team wirklich einen Unterschied gemacht habt? Wo lag die Herausforderung und wie konnte sie gelöst werden?
Was war dabei hilfreich, was hemmend? Welche organisatorischen Muster traten auf und wie beeinflussen sie unsere Art, Probleme zu lösen und Dienstleistungen zu erbringen? Wie viel Energie haben wir für das Optimieren der Kundenerlebnisse aufgebracht und wie viel, für das Implementieren neuer Prozesse oder regulatorischer Anforderungen? Diese Fragen sind keine Spielerei, sondern ein Diagnoseinstrument. Sie helfen im Wachstum, denn so wie Tony Robbins sagt:
Wo deine Aufmerksamkeit hingeht, wächst Energie.
2.Die produktive Reibung in der Kultur
Wo hat’s 2025 geknirscht? Zwischen Abteilungen und Teams, zwischen Führung und Mitarbeitenden, auf Ebene des Vorstandes? Nicht oberflächlich, sondern in der tiefen Struktur der Glaubenssätze, Überzeugungen und Grundwerte. War es der Entscheidungsprozess, die Kommunikation oder das konkrete Führungsverhalten? Reibt es an hierarchischen Schnittstellen, aufgrund von Zielkonflikten oder lag es an unterschiedlichen Erwartungen und Informationsasymmetrien? Schön, wenn sich Dinge bewegen, denn das Starre bricht rascher als das Bewegliche.
Reibung ist nur dort, wo Bewegung herrscht.
3.Der Fokus für 2026
Jetzt wird’s spannend. Nicht: Was SOLLTE wachsen? Sondern: Was SOLL wachsen?
Der Unterschied ist entscheidend. Kundenzufriedenheit steigern? Prozesse vereinfachen? Team-Engagement stärken? Digitalisierung ausbauen? Nachhaltiger denken? Alles richtig. Alles wichtig. Alles sinnhaft.
Aber was ist DEIN Fokus? Was ist das EINE, woran du erkennst, dass 2026 ein gutes Jahr war? Stell dir vor, es ist Dezember 2026. Was erzählen deine Kund:innen über dein Unternehmen? Was erzählt dein Team?
Woran erkennst du den Erfolg – mehr Stolz und Freude im Team? Ihr lacht öfter? Ihr feiert echte Fortschritte? Kund:innen kaufen mehr und empfehlen aktiv weiter? Ja – das sind wesentliche Stellhebel, die ich uns Allen wünsche.
Fokus für 2026
4.Die ersten drei Schritte
Antonio Machado hat geschrieben:
Der Weg entsteht beim Gehen.
Schön, philosophisch und eigentlich nicht korrekt, denn der Weg zeigt sich im Gehen – er wird erlebbar. Und deshalb ist es wichtig, die ersten drei Schritte konkret anzupacken – sich auf den Weg machen. Also: Was startest du im Jänner 2026? Nicht irgendwann. Am 7. Jänner. Am 14. Jänner. Am 21. Jänner.
Drei Schritte. Terminiert. Konkret. Auf geht´s.
CX meets Culture: Warum das jetzt wichtig ist
2026 wird kein Jahr der einfachen Antworten. Die Banking-Landschaft wird sich weiter verdichten und die regulatorische Dichte vermutlich kaum nachlassen. Auch der Digitalisierungsdruck wird nicht kleiner, dafür mit einer satten Prise KI garniert. Aber hier ist die gute Nachricht: Jene Banken, die 2026 vorne dabei sein werden, sind nicht die mit den besten Plänen. Es sind die mit dem besten Anpacken, Mut und Verstehen.
Verstehen ihrer Kund:innen. Verstehen ihrer Kultur. Verstehen der Verbindung zwischen beidem. Das nennen wir “CX meets Culture” – und es beginnt mit einem Moment des Innehaltens, als ehrliche Standortbestimmung. Gerne auch mit einer ehrlichen Analytik und dem objektiven Hinhören. Was erleben meine Mitarbeitenden, was meine Kund:innen? Wo enttäusche ich, wo liegen die Chancen?
Fazit: Der unterschätzte Wettbewerbsvorteil
In einer Zeit, in der alle von Agilität, Geschwindigkeit und Innovation sprechen, ist Innehalten der radikalste Akt.
60 Minuten zwischen den Jahren. Keine PowerPoint. Kein Protokoll. Nur ehrliche Fragen:
- Wie war 2025 wirklich?
- Wo hat’s geknirscht?
- Was soll 2026 wachsen?
- Was sind meine ersten drei Schritte?
Jene Banken und Führungskräfte, die sich diese Zeit nehmen, starten 2026 nicht schneller. Aber klarer. Nicht lauter. Aber wirkungsvoller. Die Frage ist: Nimmst du dir diese 60 Minuten? Oder hetzt du vom alten Jahr ins neue – und wunderst dich, warum du das Gleiche immer und immer wieder erlebst? Du hast den Schlüssel in der Hand.
Dein kostenloser Reflexions-Leitfaden: Die "CX meets Culture" Jahresreflexion 2026
Dieser Artikel hat dich inspiriert? Gut. Jetzt wird’s konkret.
Wir haben ein strukturiertes Reflexions-Workbook erstellt, das dich und dein Kernteam durch alle wichtigen Fragen führt. Keine theoretischen Frameworks – sondern 60 Minuten ehrliche Standortbestimmung.
Das bekommst du:
- 5 Reflexions-Dimensionen mit konkreten Fragen
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Wenn du möchtest, reflektieren wir deine Ergebnisse gemeinsam – sprechen über das, was wirklich zählt: Kund:innen. Kultur. Wirkung.
oder schreib uns direkt office@emotion-banking.at – wir freuen uns auf den Austausch mit dir.
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